
Du kannst Dir sicherlich vorstellen, dass diese Nacht nicht meine beste war; Du und Oma seid ständig durch meine Träume gegeistert. Entsprechend müde und unausgeschlafen
wachte ich am nächsten Morgen auf - und natürlich hungrig, wie immer. Zum Glück gibt es bei der alten Scheune ein paar Nutzpflanzen;
einige davon trugen Früchte.

So gab es Wassermelone zum Frühstück, was sehr erfrischend war.

Ein gemütliches Bad nahm ich auch noch schnell.

Dann machte ich mich auf den Weg; ich wollte den Tag heute mit Malen
verbringen.

Wie meistens war es in der Künstler-Werkstatt leer.

Ich machte mich ans Werk - Omas kleines Häuschen würde es diesmal
allerdings nicht werden.

Durch die großen Fenster konnte ich unten auf der Straße Hinnerk sehen,
der auf die Künstler-Werkstatt zulief. Er würde doch nicht hierher kommen?

Tatsächlich, er kam!

Er stellte sich an die Staffelei neben mir und fing an zu malen.

Nach kurzer Zeit sprach er mich an; er wollte wissen, ob die Leinwände
hier gut wären.

Er wollte gerne ein Kunstwerk erschaffen, aber er wusste nicht, wie.

Ich erklärte ihm einiges über Pinsel...

...und Farben.

Hinnerk wollte gerne mal mit etwas anderem als seiner Musik in der
Zeitung stehen. Ich fand ihn so süß.

Er bedankte sich sehr nett bei mir für meine Hilfe.

Dann malten wir weiter; ich war allerdings völlig durcheinander.

Plötzlich tauchte eine Simsine auf, die schnurstracks zu Hinnerk
ging.

Die beiden kannten sich offenbar näher.

Ich hielt mich krampfhaft an meinem Pinsel fest und tat, als würde ich
nichts merken.

Aber ich war völlig frustriert. Es war zu albern gewesen zu hoffen,
dass Hinnerk in mir vielleicht mehr als das sich mit Malerei auskennende Mädchen sehen
könnte. Dagegen half nur ein großes Antifrust-Eis, das ich mir aus dem
Kühlschrank holte.

Die Simsine verschwand wieder und auch Hinnerk nahm sich etwas zu Essen.
Aber wir saßen an verschiedenen Tischen und redeten nicht miteinander; die
schöne Stimmung von vorhin war verflogen.

Ich verließ Hinnerk und die Künstler-Werkstatt und radelte in den Park,
wo ich der Zaunlatte in die Hände fiel. Sie erzählte mir, dass Grün eine so
trendige Farbe wäre, dass sogar die Zeitung darüber schreiben würde.

Dann erklärte sie mir noch, dass sie Malerei für Zeitverschwendung
hielte und nichts damit anfangen könne.

Zum Glück hatte sie dann Hunger und ging.

Liebe Anna, ich hatte so auf einen schönen Tag gehofft, aber irgendwie
lief heute alles schief. Erst Hinnerk, dann die Zaunlatte - ich hatte genug
für heute und schlug mein Zelt am See im Park auf.

Ich wollte grade schlafen gehen, als ein mir bis dahin unbekannter Sim
im Park aufkreuzte, obwohl es schon sehr spät war.

Er sprach mich an und erklärte mir, dass er heute hier auf einer Bank
schlafen würde; er sei nämlich Angler und wollte die frühen Morgenstunde
nutzen, um besondere Fische zu fangen.

Dass er Angler war, hatte ich mir schon aufgrund seines TShirts und der
Gummistiefel gedacht. Er unterhielt sich noch ein Weilchen sehr freundlich
mit mir über Malerei.

Dann war er offenbar müde.

Er ging, wie angekündigt, Richtung Parkbank, aber er ging an der Bank
vorbei.

Du glaubst es nicht, Anna! Er warf sich doch tatsächlich in einen
äußerst ungewöhnlichen Schlafanzug und kletterte in MEIN Zelt!

Ich war stinksauer!

Diese Nacht werde ich also wohl oder übel nicht in meinem gemütlichen
Zelt, sondern auf der harten Parkbank verbringen. Da kann ich bestimmt hören, wie
Onno (so heißt der Sim) in meinem Zelt schnarcht.

Es gibt wirklich schönere Tage als diesen, Anna! Aber wenigstens hat er
mich von meinem Heimweh abgelenkt. Und ich glaube feste, dass der Tag morgen
ein sehr schöner wird.
Ich schicke Dir eine feste Umarmung,

PS: Mitten in der Nacht fing Onno tatsächlich an zu angeln, so dass ich
doch noch in mein Zelt konnte.

So werde ich also den Rest der Nacht in meinem Zelt schlafen -
bewacht von einem Angler im Schlafanzug.

Liebe Anna... 9. Brief