
Du ahnst nicht, wie schön es ist, bei Wellengeräuschen zu schlafen! So wohl wie heute Nacht habe ich mich fast noch nie gefühlt - es war einfach herrlich!
Den Sonnenaufgang heute morgen habe ich verschlafen, aber er war
sicherlich wunderschön.

Natürlich hatte ich, wie immer nach dem Aufstehen, Hunger, aber so früh
am Morgen war ich noch ganz alleine. Niemand da, der Würstchen grillte.

Da fiel mir Hille ein. Ihr neues Haus wollte ich mir sowieso ansehen und
vielleicht bekam ich bei Ihr ja auch ein Frühstück? Ich machte mich also auf
den Weg.

Nach einigem Suchen hatte ich ein neues Haus gefunden; das musste es
sein.

Mir gefiel das Haus sehr gut und ich war schon neugierig, wie es wohl
drinnen aussehen würde. Also klingelte ich.

Hille begrüßte mich überrascht und bat mich herein.

Ich legte gleich los und erzählte, dass ich so hungrig wäre, dass ich
ein ganzes Brathuhn essen könnte. Naja, zumindest fast ein ganzes.

Hille war etwas perplex und fragte, ob sie jetzt etwa zum Kühlschrank
gehen und mir ein Frühstück machen sollte?

Meine Antwort war eindeutig.

Sie tat es tatsächlich, was ich sehr lieb von ihr fand.

Schon bald roch es köstlich aus dem Backofen.

Hille hatte mich gebeten, in der Zwischenzeit nach Anatol, ihrem kleinen
Sohn zu sehen, was ich natürlich gerne tat.

Dann frühstückten wir zusammen und ich gratulierte ihr zu ihrem schönen
neuen Haus.

Hille war offenbar von ihren eigenen Kochkünsten hin und weg - sie
leckte sogar ihren Teller ab!

Natürlich bedankte ich mich für ihre Freundlichkeit, für mich zu kochen.

Das hätte ich besser nicht getan, denn sie lief ab wie ein Uhrwerk und
erzählte von Rezepten...

...und Kochbüchern voller fantastischer Anregungen.

Um ihren Redestrom zu stoppen, räumte ich die Teller weg.

Dann kam ich auf die nicht sehr großartige Idee zu fragen, ob ich wohl
ihre Badewanne oder Dusche benutzen dürfe. Hilles Reaktion war leider
deutlich.

Ich ging lieber, zumal Hille sich sowieso vor den Fernseher gesetzt
hatte.

Ich wollte grade auf mein Fahrrad steigen, als mich ein Anruf der
Poststelle im Rathaus erreichte. Es war tatsächlich ein Brief für mich
angekommen!

Ich fuhr natürlich sofort los; ich wusste, dass der Brief nur von Dir
sein konnte! Auf dem Weg zum Rathaus kam ich an einer alten Scheune vorbei,
vor der viele Heuballen lagen.

Mir kam eine Idee: Wo es Heuballen gibt, gibt es oft Tiere. Und die
brauchen eine Tränke; oft sind das alte, ausrangierte Badewannen. Ob es hier
wohl so etwas geben würde? Ich hielt an und inspizierte das Grundstück.

Tatsächlich! Vor der Scheune stand zwischen den Heuballen eine alte,
hölzerne Wanne!

Wasser kam auch aus dem Hahn.

Zum Glück war niemand in der Nähe und so nahm ich vor der Scheune ein
Freiluft-Bad.

Es war ein sehr schönes Gefühl, wieder sauber zu sein und niemandem
Danke dafür sagen zu müssen! Fröhlich rannte ich zum Rathaus, um Deinen
Brief abzuholen.

Liebe Anna, Dein Brief ist so schön und lieb und lustig! Ich bin so
froh, dass es Oma und Dir gut geht und Ihr Euch beide wohl fühlt. Als ich
das Photo im Umschlag gefunden habe, musste ich allerdings ein bisschen
weinen; ich saß auf dem Brunnenrand und hatte plötzlich riesige Sehnsucht
nach Euch beiden.

Um mich ein bisschen abzulenken, fuhr ich mal wieder in den Park. Hier
traf ich einen sichtlich stolzen Pius, der seine kleine Suse auf dem Arm
trug. Wahnsinn, Suse war schon richtig gewachsen!

Einen mir bis dahin unbekannten Sim traf ich auch; blöderweise war es
Wendelin, der Mann von Hille. Er sprach mich natürlich direkt darauf an,
dass er mich und mein Verhalten, von dem er von seiner Frau erfahren hatte,
etwas merkwürdig fand.

Mir war das das ziemlich peinlich.

Trotzdem erklärte ich ihm, dass ich sein und Hilles Haus zwar sehr schön
fände, selber aber auf keinen Fall in einem solchen Haus wohnen wollen
würde. Pius hatte derweil den Grill angeworfen, aber es roch irgendwie gar
nicht nach Würstchen.

Er hatte tatsächlich Lachs gegrillt! Es war einfach köstlich.

Ich schaukelte noch ein bisschen, mit den Gedanken bei Dir und Oma.

Dann radelte ich zu der alten Scheune zurück und schlug dort mein Zelt
auf.

Das Photo von Oma und Dir habe ich innen an meinen Zelteingang geklebt, so kann ich es immer anschauen.

Liebe Anna, Dein Brief und das wunderschöne Photo haben mir so viel
Freude gemacht - tausend lieben Dank dafür! Aber sie haben mich auch
nachdenklich gemacht und ich vermisse Euch beide grade ganz schrecklich. In
Momenten wie diesem frage ich mich, warum ich eigentlich schon so lange durch die Welt
gondele, anstatt zuhause bei Dir und Oma zu sein.
Ich schicke Euch beiden einen ganz dicken Kuss,

Liebe Anna... 8. Brief