Liebe Anna... 7. Brief


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leider kann ich Dir gar nicht berichten, ob meine Nacht an der Künstler-Werkstatt sich inspirierend auf mich ausgewirkt hat - ich habe heute überhaupt nicht gemalt. Ich hatte einen zuerst etwas missglückten, dann aber wunderschönen Tag und deshalb keine Zeit zum Malen.

Auf meine Träume hat sich meine nächtliche Umgebung aber auf jeden Fall ausgewirkt; ich habe von schönen Farben...


...und zukünftigen Meisterwerken geträumt.


Zum Frühstück nahm ich mir ein Müsli, das sehr lecker schmeckte.


Natürlich habe ich auch abgespült; das ist das Mindeste, wenn man sich schon kostenlos am Kühlschrank bedienen darf!


Leider zog ich mangels Dusche mal wieder grüne Wölkchen hinter mir her, aber ich hatte keine Lust auf eine öffentliche Dusche. Ich beschloss, Sanja zu besuchen und ihre Luxus-Wanne nochmal zu benutzen.


Gesagt, getan; ich klingelte an ihrer Tür. Hoffentlich war sie zuhause.


Sie war es und begrüßte mich freundlich.


Sie hatte allerdings überhaupt keine Zeit für mich; ihre kleine Tochter Suse forderte ihre Aufmerksamkeit.


So ging ich, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen, einfach ins Badezimmer und setzte mich in die Wanne.


Liebe Anna, leider war das keine gute Idee! Die sonst so liebe und freundliche Sanja erschien im Badezimmer und hielt mir einen Vortrag über Höflichkeit.


Auweia!


Ich stieg aus der Wanne, nur wenig sauberer als vorher. Sanja war wirklich richtig böse auf mich.


Ich verdrückte mich; es musste also doch die Dusche im Freibad sein.


Auf dem Weg dorthin fiel mir zum ersten Mal ein kleines Häuschen am Strand auf; ob das ein Strandbad oder etwas in der Art war? Vielleicht gab es da ja auch eine Dusche?


Ich stieg vom Rad und lief hin.


Das Häuschen entpuppte sich als eine Art Club, mit Sofas und Musikanlage; das war bestimmt die Silbersinger Disco. Eine Dusche gab es hier nicht.


Aber das Disco-Grundstück war traumhaft und ich beschloss, hier heute Abend mein Zelt aufzuschlagen.


Ich flitzte schnell ins Freibad zum Duschen, kam dann aber sofort zurück und pflanzte mich auf einen Liegenstuhl in die Sonne.


Plötzlich tauchte die grüne Zaunlatte, von der ich Dir schon erzählt habe, auf; heute war sie allerdings nur obenrum grün. Sie setzte sich in den Liegestuhl direkt neben mir, obwohl auch noch zwei andere frei waren.


Sie sagte kein Wort, sondern guckte nur muffig. Wieso setzte sie sich in die Sonne, wenn ihr das offenbar gar nicht gefiel?


Ich hatte keine Lust, mir die Laune von dem sauertöpfischen Gesicht der Zaunlatte verderben zu lassen; ich stand auf, um ein bisschen tanzen zu gehen.


Auf meinem Weg zur Musikanlage sah ich Wanda; sie hatte den Grill angeworfen. Herrlich, ich hatte nämlich Hunger.


Du glaubst es nicht, Anna: Die Zaunlatte kam mir doch tatsächlich hinterher und fing auch an zu tanzen.


Wanda waren inzwischen ihre Würstchen gründlich misslungen und sie guckte ziemlich frustriert.


Ich nahm mir natürlich trotzdem eins und setzte mich zu ihr. Unglaublicherweise kam mir die Zaunlatte schon wieder hinterher - was wollte die bloß von mir?


Dann nahm sie sich aber auch ein Würstchen und setzte sich, zum Glück an einen Tisch weit weg. Wanda wunderte sich, dass ihre verbrannten Würstchen solchen Anklang fanden.


Oma hat uns ja immer dazu erzogen, Danke zu sagen. Also bedankte ich mich bei Wanda für die Würstchen und sagte ihr, sie wären lecker gewesen, was sie daran merken konnte, dass alle Teller leer geworden waren.


Wanda und ich unterhielten uns sehr nett. Die Zaunlatte packte derweil einen Laptop aus; sie wollte wohl einen wichtigen Eindruck machen. Hellgrünes, wild gemustertes Oberteil, kurze Pünktchenhose in lila, blassgelbe Kniestrümpfe und ein Laptop - ich fand sie nur albern.


Ich hätte mich noch lange weiter unterhalten können, aber Wanda war müde.


Es war aber auch wirklich sehr spät geworden und so stellte ich mein Zelt auf, ziemlich direkt am Ufer der idyllischen kleinen Bucht.


Heute Nacht werden mich also Wellengeräusche in den Schlaf wiegen, das ist bestimmt wunderschön. Ich bin inzwischen so froh, dass der Pilot mich hier in Silbersang einfach abgesetzt hat; ohne ihn hätte ich dieses schöne Fleckchen Erde gar nicht entdeckt.

Schlaf gut, kleine Schwester; ich wünschte, Du wärest bei mir und könntest auch die Wellen hören.


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