
heute habe ich gar nicht so viel zu berichten, aber mein abendlicher
Brief an Dich ist mir mittlerweile so lieb geworden, dass ich Dir trotzdem
schreibe. Hoffentlich langweilst Du Dich nicht beim Lesen!
Meine Nacht im Saft & Kraft war wunderbar ruhig, allerdings wurde
ich heute
Morgen vom Geräusch von Laufbändern geweckt.

Natürlich war ich, wie jeden Morgen, hungrig, aber im Saft & Kraft gibt
es leider keinen Kühlschrank, an dem man sich bedienen kann. Also fuhr ich
wieder zum Teich; heute waren dort Tomaten und Kopfsalat reif.

Die Tomaten waren köstlich, aber Kopfsalat ohne Sauce... Naja!

Wie in meinem letzten Brief an Dich angekündigt, radelte ich dann zur
Leuchtturm-Siedlung; ich wollte rausfinden, wo Hinnerk wohnt.

Es war unglaublich: Direkt das erste Haus links war das richtige.
Hinnerk stand im Garten und spielte Gitarre; sein Bruder, in dem ich Justus
wiedererkannte, der mich zum Abendessen in das Restaurant eingeladen hatte,
war im Pool.

Ich muss Dir leider sagen, dass ich mich nicht traute, Hinnerk oder
Justus anzusprechen; Justus hatte bestimmt schlechte Erinnerungen an mich
und bei Hinnerk hatte ich einfach keinen Mut. Ich setze mich unverrichteter
Dinge wieder auf mein Fahrrad und beschloss, in den Park zu radeln.

Auf dem Weg dorthin wäre ich fast von einem Auto überfahren worden, aber
es ging grade nochmal gut.

Im Park traf ich eine fröhlich-rosa Simsine, die Wanda heißt. Ihr erzählte
ich natürlich sofort von Hinnerk und seiner Gitarre.

Natürlich auch von der tollen Musik, die er macht.

Wanda war an diesem Thema aber leider überhaupt nicht interessiert.

Ansonsten war niemand im Park und mir war ein bisschen langweilig. Da
fiel mir zum Glück mein immer noch unfertiges Bild in der
Künstler-Werkstatt
ein und so machte ich mich auf den Weg.

Diesmal war ich nicht alleine dort; Justus war auch da.

Ich fragte ihn natürlich sofort nach seinem Bruder und der berühmten
Kuhfell-Gitarre.

Leider wollte er nicht über seinen Bruder sprechen; er erzählte lieber
von seinem Traum vom Fliegen.

Offenbar hatte er mich tatsächlich in schlechter Erinnerung. Er hatte
sichtlich keine Lust, sich länger mit mir zu unterhalten und empfahl mir, lieber an
meinem Bild weiter zu malen.

Das tat ich auch. Das Bild wurde langsam fertig und jetzt wusste ich
auch, was das auf dem Bild eigentlich sein sollte: Omas altes Häuschen!

Es war schon dunkel, als ich mit dem Bild endlich zufrieden und es
fertig war.

Ich hatte mir grade eine Dosensuppe aus dem Werkstatt-Kühlschrank
genommen, als es in meiner Hostentasche klingelte.

Ich erschrak fürchterlich, denn ich hatte total vergessen, dass ich im
Rathaus ein Kommunikationsgerät für Einwohner und Besucher von Silbersang
bekommen hatte. Dieses Gerät ist so was ähnliches wie ein Telefon, aber man
kann nur innerhalb von Silbersang damit jemanden anrufen. Neugierig ging ich
dran.

Am anderen Ende war Sanja; sie wollte wissen, ob ich einen Schlafplatz
für heute Nacht gefunden hatte. Leider haben sie immer noch kein Gästebett.

Ich erzählte ihr, dass mein Bild fertig sei und ich mein Zelt heute hier
bei der Künstler-Werkstatt aufstellen würde.

Ich aß meine Dosensuppe auf und fand dann einen Platz für mein Zelt
draußen vor der Werkstatt, bewacht von der Statue eines unbekannten
Künstlers.

Ich hoffe ja sehr, dass eine Nacht in der Nähe von Kunst und Malerei
mich inspiriert; das Bild von Omas altem Häuschen gefällt mir nämlich nicht
wirklich - das kann ich eigentlich viel besser! Morgen werde ich ein neues
Bild anfangen, vielleicht klappt das besser.
Grüß das alte Häuschen von mir; ich habe es so lange nicht mehr gesehen!

Liebe Anna... 6. Brief