
Sternschnuppes und meine erste gemeinsame Nacht war sehr kurz; schon kurz nach Mitternacht war sie zu Ende und ich kroch totmüde aus meinem Zelt.

Aber ihr süßes Gesichtchen ließ mich meine Müdigkeit vergessen.

Als Rachel versorgt war, ging ich noch ein bisschen schlafen.

Aber schon im Morgengrauen war ich wieder auf den Beinen.

Zu meiner riesengroßen Überraschung tauchte am Vormittag plötzlich Sanja
auf, mit ihrer kleinen Suse auf dem Arm.

Für den Fall, dass sie es noch nicht gehört haben sollte, erzählt ich
natürlich sofort von meiner kleinen Sternschnuppe.

Natürlich wusste sie das schon; diese Neuigkeit hatte sich wohl schnell
herum gesprochen.

Sanja konnte überhaupt nicht verstehen, wie man in meiner Situation als
Rucksacktouristin ein Kind bekommen konnte.

Immerhin gab sie zu, dass die viele frische
Luft und die freie Natur bestimmt gesund für Rachel wären.

Ich spielte ein bisschen mit Suse, die wirklich eine ganz Liebe ist.

Sanja nahm sich derweil einen Saft aus meinem Kühlschrank.

Ich gesellte mich mit einem Marmeladenbrot zu ihr; ich hatte einen
Riesenhunger.

Ich hätte lieber ein knuspriges Hähnchenbein gegessen, aber das gab es
in meinem Kühlschrank leider nicht.

Sanja meinte, in meinem Kühlschrank wäre nur ungesunder Müll.

Ach Anna, ich glaube, sie fand mich merkwürdiger denn je! Dabei mag ich
sie wirklich gerne.

Sie erzählte mir noch einiges über gesunde Ernährung; vor allem die
chinesische Küche findet sie für Kinder sehr geeignet.

Ich erzählte ihr von meinem Entschluss, mich nicht mehr für Musik zu
interessieren. Dass es dabei allerdings hauptsächlich um den Erzeuger der
Musik ging, verschwieg ich.

Stattdessen wollte ich mich wieder intensiv meiner Malerei widmen.

Sanja und Suse mussten bald darauf nach Hause und ich spielte noch ein
bisschen mit Rachel. Ihr gefiel es in der Sonne sichtlich gut.

Nachdem sie kräftig gegähnt hatte, legte ich sie in ihr Bettchen.

Ich machte meine Ankündigung wahr und malte ein bisschen.

Inzwischen schläft meine kleine Sternschnuppe süß und seelig.

Ich gehe auch schlafen. Es ist zwar erst viertel nach sechs, aber ich
glaube, ich sollte jede Minute zum Schlafen nutzen, die Rachel auch schläft.

Liebe Anna, Sternschnuppes und mein Tag war so schön! Sie ist so
süß und friedlich und zufrieden; ich habe nicht den Eindruck, dass ihr unser
zugegebenermaßen etwas merkwürdiges Leben schadet. Sie lacht und strahlt
(außer sie hat die Windel voll) und macht mich so glücklich!
Gute Nacht, kleine Schwester! Du gehst bestimmt noch eine ganze Weile
nicht schlafen, aber im Zweifelsfalle bin ich schon wieder auf, ehe Du im
Land der Träume bist. Bis morgen!

Liebe Anna... 17. Brief